Über die Zufriedenheit
Über die Zufriedenheit
Ein geläufiges & wohlbekanntes Wort, das jeder kennt – Zufriedenheit. „Sei doch zufrieden“ ist ein Rat, den wir alle schon unzählige Mal bekommen haben, auch selber gerne austeilen. Im Yoga nennen wir die Zufriedenheit, auch Genügsamkeit & Bescheidenheit – Santosha.
Es ist einfach Santosha zu praktizieren, zu leben, wenn alles nach unserer Zufriedenheit verläuft. Wenn wir eine Familie, Freunde haben, die mit uns durch „dick und dünn“ gehen, ein schönes Zuhause besitzen und in einem tollen Job arbeiten, der uns zufrieden stellt. Es ist auch kein Problem genügsam zu sein, wenn das Bankkonto dick gefüllt ist!
Verinnerlichen wir uns jetzt ganz bewusst, wie es um unsere Zufriedenheit bestellt wäre, wenn etwas wirklich schief läuft, wenn ein naher Angehöriger schwer erkrankt, gar stirbt. Wenn ich oder mein Partner die Arbeit verlieren, wenn unser Kind in der Schule durchfällt, wenn das Bankkonto tief im Minus ist. Wie können wir unter diesen schlimmen Umständen noch zufrieden leben?
Das ist die Herausforderung, mit der uns Santosha im „wahren“ Leben konfrontiert. Das wir gerade dann, in diesen schwierigen Zeiten, Zufriedenheit – Santosha – leben können, mag kommen was will und zwar aus vollstem Herzen!
Das Sanskritwort – Santosha – heißt – „ZUFRIEDEN SEIN“ – und bedeutet nicht – „ZUFRIEDEN SEIN, WENN ALLES GUT LÄUFT“.
Santosha ist unsere Wahl zufrieden zu sein, egal, was das Leben uns bringt, weil es nicht anders sein kann, wie es gerade ist. Wir stellen uns nicht die Frage – was wäre wenn? Weil wir mit Santosha eines akzeptieren– was auch immer passieren kann, das wird passieren! Nur so können wir die wahre Zufriedenheit in unserem Leben erfahren.
Mit einem Missverständnis will ich hier gleich aufräumen! Niemand darf glauben, dass wir durch Santosha die Macht, die Kontrolle, über unser Leben verlieren! Erst mit Santosha lernen wir, auf verschiedenste Ereignisse in unserem Leben angemessen zu reagieren.
Es wird immer Begebenheiten in unserem Leben geben, die wir nicht kontrollieren können, das Wetter, Erkrankungen, Unfälle und Verletzungen, politische Ereignisse, den Benzinpreis. Was wir aber mit Sicherheit ändern können ist, wie wir auf diese unkontrollierbaren Ereignisse reagieren!
Und hier ist nun Vertrauen angesagt. Um ein wirklich zufriedenes Leben führen zu können, müssen wir Vertrauen in unser Leben als Gesamtes haben.
Vertrauen in unser Leben als Gesamtes – vergesst diesen Satz nicht!
Gerade wenn es uns schlecht geht, inmitten der schlimmsten Tragödien, müssen wir uns eines eingestehen – es ist unsere eigene Verantwortung, was wir fühlen und natürlich auch, für welchen weiteren Weg wir uns entscheiden, das kann uns niemand abnehmen! Unser eigenes Ich kontrolliert unsere Emotionen, es darf nicht umgekehrt sein.
Für mich bedeutet Santosha – Zufriedenheit – nicht, dass ich mir so ein „immer glücklich“ Kleidchen überstülpe, das wäre zu einfach. Negative Emotionen sind wichtig & gesund. In einer negativen & traurigen Situation ist es selbstverständlich angemessen und richtig, emotionell zu reagieren, das heißt – weinen, wütend sein oder sich schlecht fühlen. Santosha bedeutet nicht, dass wir unsere negativen Gefühle unterdrücken, sondern dass wir inmitten von Trauer und Tragik nicht vergessen, dass unser Inneres Selbst die Kontrolle hat und nicht unsere augenblicklichen negativen Gefühle!
Machen wir uns nicht zum Opfer von Emotionen, nicht zum Opfer von äußeren Umständen oder gar zum Opfer unserer eigenen, negativen Gedanken! Natürlich müssen wir uns erlauben Schmerz zu fühlen, zu leiden und zu trauern. Gleichzeitig sollten wir verstehen, dass diese Emotionen Teil unserer eigenen Gedankenwelt sind und keineswegs von außen kommen. Wir sind zuständig für die Kontrolle unserer Emotionen, niemand sonst!
All das lehrt uns Yoga – so auch Santosha, die wahre Zufriedenheit! Wenn wir diese innere Stärke entwickeln, wenn wir Herr über unsere eigenen Emotionen und Gefühle sind und auch bleiben, dann sind wir auf dem richtigen Weg zu unserer eigenen, sehr stabilen Gefühlswelt.
Und wenn du das nächste Mal zu einer wichtigen Verabredung zu spät kommst, der Chef mit dir schimpft, der Lehrer dir eine schlechte Note gibt, du gerade einen Strafzettel in der Hand hältst oder deinen Bankauszug, gerade dann, wenn wirklich „alles schief läuft“, dann zaubere ein Lächeln auf dein Gesicht.
Vielleicht schaffst du es sogar, „wahres Glück“ in dieser Situation zu empfinden. Akzeptiere das Unvermeidliche und SEI GLÜCKLICH…
Es würde mich sehr freuen, wenn du meine Gedanken mit deinen Freunden teilen würdest!
Shivani K. Kapuria im Mai 2016